Wer heute in seinen Kleiderschrank schaut, findet oft mehr Kleidung, als er jemals wirklich tragen wird. Studien zeigen immer wieder, dass ein großer Teil der Kleidungsstücke in deutschen Haushalten kaum oder gar nicht getragen wird, manche Schätzungen sprechen von einem Drittel des gesamten Kleiderschranks. Das ist kein Zufall und auch keine persönliche Schwäche. Es ist das Ergebnis eines Systems, das genau darauf ausgelegt ist, dass wir immer wieder neu kaufen.
Wie aus Mode ein Wegwerfprodukt wurde
Noch vor wenigen Jahrzehnten kannte die Modebranche zwei große Kollektionen im Jahr. Heute bringen große Fast Fashion Anbieter teilweise täglich neue Teile auf den Markt. Diese Geschwindigkeit verändert, wie wir über Kleidung denken. Ein Teil wirkt nicht mehr wie eine langfristige Anschaffung, sondern wie ein kurzfristiges Erlebnis. Man kauft es, trägt es ein paar Mal, und wenn der nächste Trend kommt, wandert es in die hinterste Ecke des Schranks oder gleich in die Altkleidersammlung.
Möglich wird das durch niedrige Preise, die auf den ersten Blick verlockend wirken. Ein Oberteil für zehn Euro fühlt sich nicht nach einer großen Entscheidung an. Genau das ist der Punkt. Die niedrige Einstiegshürde senkt auch die emotionale Bindung an das Kleidungsstück. Wenn etwas fast nichts gekostet hat, fällt es leichter, es kaum zu tragen oder schnell wieder auszusortieren.
Die Kosten, die auf der Rechnung nicht stehen
Der niedrige Preis an der Kasse erzählt nur einen Teil der Geschichte. Die Herstellung großer Mengen billiger Kleidung verbraucht enorme Ressourcen, vor allem Wasser und Energie, und hinterlässt am Ende der Nutzungsdauer riesige Mengen Textilmüll. Ein großer Teil dieser Kleidung besteht zudem aus synthetischen Fasern, die beim Waschen Mikroplastik freisetzen und sich in der Umwelt kaum abbauen.
Auch finanziell ist die Rechnung nicht so einfach, wie sie auf den ersten Blick scheint. Wir haben hier über Cost per Wear gesprochen, also darüber, was ein Kleidungsstück pro Tragen tatsächlich kostet. Fünf billige Teile, die jeweils nur wenige Male getragen werden, kommen am Ende oft teurer als ein einzelnes hochwertiges Teil, das über Jahre hinweg regelmäßig im Einsatz ist. Der niedrige Preis täuscht also eine Ersparnis vor, die es bei genauerem Hinsehen gar nicht gibt.
Warum wir trotzdem weiter kaufen
Interessant ist auch die psychologische Seite dieses Verhaltens. Ein neuer Kauf löst kurzfristig ein gutes Gefühl aus, ähnlich wie andere kleine Belohnungen im Alltag. Dieses Gefühl hält jedoch selten lange an. Sehr schnell folgt der nächste Trend, das nächste vermeintliche Muss, und der Kreislauf beginnt von vorn. Statt echter Zufriedenheit entsteht so eher ein Gefühl, nie ganz genug zu haben, obwohl der Schrank objektiv gesehen längst voll ist.
Dazu kommt, dass viele Kleidungsstücke aus schneller Produktion nach wenigen Wäschen ihre Form verlieren, an den Nähten aufgehen oder pillen. Genau darüber haben wir bereits in einem früheren Beitrag geschrieben. Diese Qualitätsprobleme verstärken den Kreislauf zusätzlich, denn ein Teil, das schnell schlecht aussieht, wird schnell ersetzt.
Neben der Umwelt trägt auch ein anderer Teil der Kette einen großen Teil der Last, nämlich die Menschen, die die Kleidung tatsächlich nähen. Damit ein T-Shirt für wenige Euro verkauft werden kann, muss irgendwo in der Produktionskette gespart werden, und meistens geschieht das bei den Löhnen und Arbeitsbedingungen der Näherinnen und Näher. Viele von ihnen arbeiten unter enormem Zeitdruck, weil die kurzen Kollektionszyklen der Fast Fashion Industrie ständig neue Ware in kürzester Zeit verlangen. Existenzsichernde Löhne sind in großen Teilen der Textilproduktion nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel.
Diese soziale Dimension wird beim Kauf oft übersehen, weil sie am Kleidungsstück selbst nicht sichtbar ist. Wer jedoch weiß, unter welchen Bedingungen ein Teil entstanden ist, kauft in der Regel bewusster ein. Transparente Lieferketten und eine Produktion, die sich vor Ort nachvollziehen lässt, sind deshalb kein nettes Extra, sondern ein zentraler Baustein für einen fairen Umgang mit den Menschen, die am Anfang der Kette stehen.
Ein bewussterer Weg zurück zum Kleiderschrank
Der Ausweg aus diesem Kreislauf liegt nicht darin, sich komplett von neuer Kleidung zu verabschieden, sondern darin, bewusster auszuwählen. Wer beim Kauf eines Teils darauf achtet, wie es verarbeitet ist, aus welchem Material es besteht und ob es zu den eigenen Kleidungsstücken passt, trifft automatisch langlebigere Entscheidungen. Genau dieser Gedanke steckt auch hinter dem Prinzip der Capsule Wardrobe, über das wir bereits geschrieben haben. Ein kleinerer, aber durchdachter Kleiderschrank ersetzt viele einzelne Kaufimpulse durch wenige, gut überlegte Entscheidungen.
Bei MUOM setzen wir genau an diesem Punkt an. Unsere Basics werden vollständig in Deutschland produziert, unter Bedingungen, die wir kontrollieren und in der Hand haben, und aus Materialien, die auf Langlebigkeit statt auf kurzfristige Trends ausgelegt sind. Die Produktion in Deutschland bedeutet für uns auch, dass wir die Menschen, die unsere Kleidung herstellen, und ihre Arbeitsbedingungen nicht nur aus der Ferne kennen, sondern tatsächlich kennen. Ein Teil, das über Jahre hinweg gut sitzt und gut aussieht und dazu noch fair hergestellt wurde, ist am Ende nicht nur die nachhaltigere, sondern auch die wirtschaftlich und menschlich klügere Wahl.
Wer seinen Kleiderschrank also das nächste Mal öffnet, kann sich ruhig kurz fragen, wie oft ein Teil wirklich getragen wird und ob der nächste Kauf eine echte Bereicherung ist oder nur ein weiterer Impuls im ständigen Kreislauf der Fast Fashion.